| Wir beginnen unseren Rundgang beim
Flutpfahl am Hafen, auf dem die höchsten, dokumentierten
Fluten markiert sind.

| Nach den verheerenden Fluten in den Jahren 1362
und 1634 (1. und 2. Grote Mandränke) trafen die
Sturmfluten im Jahr 1825 die Insel noch einmal
schwer. Die Deiche brachen an 10 Stellen, die See
überschwemmte weite Teile Föhrs bis in die
Ortschaften. Menschen starben, Häuser stützten ein,
Tiere wurden getötet. Die Flut von 1962, die
besonders in Hamburg viele Menschenleben forderte,
drang in die Stadt ein, da der heutige Deich vor den
Rathaus und die Stöpe noch nicht errichtet waren. |
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Eine Stöpe nennt man einen Durchlass durch einen Deich, der
bei einer drohenden Sturmflut verschlossen werden kann.
Diese Stöpe wird durch ein hydraulisch betriebenes Tor
verschlossen und von innen zusätzlich mit Sandsäcken
gesichert.

Die Insel Föhr gehörte bis 1864 zu Dänemark.
In den Jahren 1842-1847 verbrachte der dänische König
Christian VIII mit seinem Gefolge die Sommermonate auf Föhr
in Wyk. Das Haus des Königs stand am Anfang der heutigen
Königstraße. Nach dem Tod des Königs wurde das Haus an einen
Gastwirt verkauft. Beim Umbau des Hauses kippte ein
Heißleimtopf um und das Haus geriet in Brand. Es herrschte
starker Ostwind, der die Flammen in die Stadt trieb und 100
Häuser ansteckte. Es gab zu dieser Zeit noch keine Feuerwehr
und die Häuser in Wyk hatten alle Reetdächer. Zusätzlich
hatte der Ostwind das Wasser aus dem Watt getrieben. Die
Menschen versuchten vergeblich, mit Eimerketten mit Wasser
aus dem Watt und aus den wenigen Hausbrunnen die Feuer zu
bekämpfen.
Mit dem Schutt der verbrannten Häuser wurde das
Straßenniveau hinter dem Sandwall um zwei Meter angehoben.
Es wurde eine freiwillige Feuerwehr gegründet und es wurden
Ziegeldächer angeordnet.
Es setzte eine beeindruckende Hilfswelle (50 000 Dän.
Reichsbanktaler) aus dem Königreich Dänemark ein, die den
betroffenen Wyker Bürgern für den Wiederaufbau ihrer Häuser
zur Verfügung gestellt wurden.

Bei der Flut 1962 drang die Nordsee in die Stadt Wyk ein. Das Wasser
stieg bis zur obersten
Treppenstufe!
Das Haus, in dem sich jetzt das Restaurant "Alt Wyk"
befindet , hat eine ganz besondere Geschichte.
Auf Föhr gab es früher keine Fremdenzimmer. Nun kamen aber
gelegentlich Amtspersonen vom Festland, die grundsätzlich
nicht sehr gern gesehen wurden. Niemand wollte sie gern im
eigenen Haus übernachten lassen.
So machte das Amt in Tondern dem Bauherrn, der ein
Übernachtungshaus errichten wollte, ein verlockendes
Angebot. Er brauche in Zukunft keine Steuern mehr zahlen.
Bei dem Brand von 1857 wurde auch dieses Haus und die
steuerbefreiende Urkunde vernichtet. Problemlos wurde eine
neue Urkunde ausgestellt.
Zwei Jahre nach dem Deutsch-Dänischen Krieg (Februar-Oktober
1864) fiel ein preußischer Beamter dieses Privileg auf und
es
wurde sofort aufgehoben.
Im Deutsch-Dänischen Krieg hatte sich Preußen mit Österreich
verbündet. Eingenommen wurde Föhr durch Österreichische
Gebirgsjäger, die am Strand von Nieblum anlandeten. In "Alt
Wyk" wurde ein Lazarett eingerichtet. Nach Kriegsende
verblieben die Gebirgsjäger noch einige Zeit auf der Insel.
Es ergab sich, dass zwei Gebirgsjäger um dasselbe Föhrer
Mädchen warben. Sie duellierten sich, verwundeten sich aber
beide so sehr, dass sie im Lazarett "Alt Wyk" verstarben.
Beigesetzt wurden sie auf dem Friedhof an der St.
Nicolai-Kirche in Boldixum.
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Das Haus, in dem jetzt die örtliche
Redaktion des Inselboten untergebracht ist, beherbergte 1844
den Märchendichter Hans Christian Andersen als Gast des
Dänischen Königs Christian XIII, der in diesen Jahren mit
seinem Gefolge die Sommermonate in Wyk verbrachte. Als den
Dichter die Einladung des Königs erreichte, war er darüber
alles andere als erfreut. Er war gerade von einer längeren
Reise zurückgekommen und wollte sich erst einmal erholen.
Außerdem hatte er auch nur noch wenig Geld bei der Reise
übrig behalten. Aber seinem König konnte er natürlich keine
Absage erteilen und so machten er sich auf den Weg. Der Teil
der Reise von Flensburg nach Dagebüll wurde sehr
beschwerlich. Während die Postkutsche auf der sandigen Geest
noch recht zügig voran kam, versanken Pferde und Wagen in
der Marsch immer mehr auf den schlammigen, morastigen Wegen.
Mit Müh und Not erreichte man Dagebüll und die "Fähre". Die
Fähre hatte natürlich nichts gemein mit einer Fähre, wie wir
sie heute kennen. Sie war ein einfacher Küstenever, bei dem
Passagiere und Fracht im offenen Boot saßen.
Das Haus vor dem Brand 1857 gehörte dem Schneidermeister
Johann August Winterhoff aus Dannenberg.
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Das Haus Nr. 15 gegenüber gehörte einer Tante
von Theodor Storm. Als Schüler verbrachte Theodor
Storm einige Wochen bei seiner Tante und lernte
seine große Liebe -Emma Kühl- kennen.
Für sie schrieb er 1833 ein Gedicht, das mit dem
Vers endet:
Willst mich meiden
grausam scheiden
nun Ade.
Ach kein Scherzen
heilt die Schmerzen
meines Weh. |
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Der Glockenturm, das Wahrzeichen Wyks, wurde
als Sturm-, Feuer- und Betglocke errichtet. In Wyk gab es um
1700 etwa 90 Häuser mit 350 Einwohnern. Der Flecken gehörte zu Boldixum, wo auch die Kirche St. Nicolai stand und noch
steht. Bei ungünstigem Wind konnte man die Glocke von St.
Nicolai nicht hören, sodass eine zusätzliche Glocke in Wyk
aufgestellt werden musste.
Zunächst war es nur ein Balkengerüst, das dann später mit
Brettern verkleidet wurde und auch zur Aufnahme der
Feuerspritze und Schläuchen diente. An diesem Glockenturm war
eine Schubkarre angekettet, die dem ehemaligen Postschiffer
Peter Christiansen als "Postauto" diente, mit dem er die Post
bei Ankunft des Postschiffes abholte.
Nur aus Balken und Brettern gefertigt, musste der
Glockenturm mehrfach erneuert werden, bis 1886 die Sparkasse
einen zinslosen Kredit für die Errichtung eines gemauerten
Turmes gab.
Geläutet wurde die Glocke nicht nur zum Kirchgang und
bei Gefahren, sondern auch wenn ein Wyker Bürger nach
Boldixum zu Grabe getragen wurde und wenn ein Wyker Bürger
auf dem Festland gestorben war und der Sarg mit der Fähre ankam.
Um 1944 hatte Hanne Petersen die Aufgabe übernommen, die
Glocke bei diesen besonderen Anlässen zu läuten. Hanne
Petersen war begeisterte Hitler-Anhängerin, sodass sie nur
Hanne Hitler genannt wurde.
Eines Tages im Juli 1944 läutete sie die Glocke wild und
andauernd, ohne dass ein Todesfall oder Gefahrenzustand
bekannt war.
Hitler hatte das Attentat überlebt, es war ihr
Freudensgeläut.
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Auch wenn auf der Gedenktafel die "Befreiung Föhrs"
verherrlicht wird, war die Wirklichkeit doch ganz anders.
Die Föhrer fühlten sich von Dänemark überhaupt nicht bedroht
oder unterdrückt. Sie hatten sogar nicht unerhebliche
Privilegien wie die Befreiung von dem 6-jährigen
Kriegsdienst. Auch hatte der dänische König durch seine
mehrmonatige Aufenthalte im Sommer das Seebad Wyk hoffähig
gemacht.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde im Versailler Vertrag die
Abstimmung über die Zugehörigkeit zu Dänemark oder
Deutschland gefordert.
Alle Einwohner, die in den von Preußen annektierten Gebieten
wohnten oder geboren waren -vom Grenzfluss Königsau im
Norden bis zur Eider im Süden- konnten ihre Stimme abgeben.
Damit die Mehrheit der Bevölkerung auf Föhr auch ganz sicher
für Deutschland stimmen sollte, wurde tief in die Trickkiste
gegriffen. Alle, die auf Föhr geboren worden waren, durften
ihre Stimme abgeben. Auch Kinder von preußischen Beamten,
die schon mit ihren Eltern als Kleinkind fortgezogen waren,
bekamen Anreise und Unterkunft von der Regierung bezahlt. "Deutsche Patrioten"
störten Versammlungen, in denen für Dänemark gesinnte Föhrer
sich trafen.
Bis auf die Dörfer Witsum, Utersum und Hedehusum stimmte
letztlich ganz Föhr für den Verbleib bei Deutschland.

Die "Lüttje Kök", heute ein Speisrestaurant, war früher die
Wildenten-Konserven-Fabrik. In den Vogelkojen wurden die
Zugenten zu Tausenden gefangen und mit Ackerwagen, gehäuft
voll, zur Weiterverarbeitung in die Fabrik gefahren.
Auch die vielen nach USA ausgewanderten Föhrer ließen sich
gern Föhrer Wildenten in der Dose schicken. Besonders gern
zur Zeit der Prohibition, wenn die Dosen nicht nur mit
Enten, sondern zusätzlich, oder auch ohne Enten nur mit
Alkohol gefüllt waren. Der ungewöhnlich erhöhte Bedarf an
Konserven-Enten ließ die amerikanischen Zöllner jedoch
misstrauisch werden. Als sie feststellten, was sich wirklich
in den Dosen befand, bohrten sie die Dosen an, ließen den
Alkohol hinauslaufen und so erhielten die Empfänger nur noch
leere Dosen.


Das Haus Nr. 21 war das Altenteil eines Bauernhofes. Das Haus
überstand den Brand von 1857 (100 Häuser abgebrannt) und den
von 1869 (80 Häuser). Der Brand von 1869 ging von einer
Tischlerei aus. Im Gegensatz zum Brand von 1857, nachdem
eine Welle der finanziellen Hilfsbereitschaft aus Dänemark
eingesetzt hatte, gab es von Preußen weder staatliche noch
private Unterstützung.
Die Pumpe vor dem Haus ist ein Nachbau von Wasserpumpen, wie
sie früher an vielen Stellen in Wyk standen, als es noch
keine zentrale Wasserversorgung gab. Später legten sich
viele einen Hausbrunnen an. Mit steigenden Gästezahlen stieg
auch der Wasserverbrauch und bald verkleinerte sich die
Süßwasserlinse unter Wyk so, dass salziges Nordseewasser
nachdrückte und das geförderte Wasser nicht mehr genießbar
war. Heute erhält Wyk das Trinkwasser von der zentralen
Wasserversorgung aus der Inselmitte, wo Wasserschutzgebiete
eingerichtet sind.

Wir gehen weiter in den kleinen Gang hinein. In der alten
Druckerei wurde früher auch der Inselbote gedruckt. Das
reetgedeckte Haus rechts war früher die Dienstwohnung des
Gendarms. Gleichzeitig war dort eine Gefängniszelle
eingerichtet, ein Zimmer mit einem vergitterten Fenster.
Vor den beiden Bränden gab es in Wyk viele kleine Gänge.
Diese Gänge gehörten zu den beiden gegenüberliegenden
Grundstücken, jedoch war der Gang diagonal aufgeteilt und
beide Besitzer mussten sich um den Erhalt kümmern.

Unser Haus Wolf, Süderstr.20 hat eine ganz besondere
Geschichte. Erbaut wurde es 1809 ungefähr dort, wo sich
heute das Restaurant "Zum Glücklichen Matthias" befindet.
Umgesetzt wurde es ca.1846, als man dem Dänischen König
Christian VIII ein Grundstück zum Bau seiner Sommerresidenz
zur Verfügung stellte. Zwei weitere Häuser waren schon sehr
baufällig und wurden abgebrochen. Der Bau der Sommerresidenz
unterblieb jedoch, da Christian VIII im Jahre 1848 verstarb.

Das Restaurant "Zum Glücklichen Matthias" ist nach dem
Walfangkapitän Matthias Petersen benannt.
Matthias Petersen, geb. 1632 in Oldsum wurde schon mit 20
Jahren Kapitän eines Walfangschiffes. Ihm gelang es in nur
fünf Jahrzehnten 373 Wale zu fangen. Zu der Zeit konnte man
noch die Baienfischerei betreiben, da sich die Wale in
großer Anzahl in den Buchten Spitzbergens sammelten. Durch
19 erfolgreiche Fangfahrten war Matthias Petersen ein für
damaliger Zeiten reicher Mann geworden. Er stiftete zusammen
mit seinem Bruder der Kirche in Süderende zwei Kronleuchter
und vermachte der Kirche in seinem Testament 100 Goldtaler.
Als er starb, bekam er ein Ehrengrab in der Kirche St. Laurenti in Süderende. Die Erben weigerten sich aber
jahrelang, die 100 Goldtaler zu zahlen. So wurde
Matthias Petersen schließlich auf den Friedhof von
Süderende umgebettet.

Der Sandwall ist der wichtigste Teil der Promenade des Kurortes Wyk. Bereits 1819 wurde Wyk Seebad.
Es gab 80 Gästebetten.
61 Gäste verbrachten einen längeren Urlaub. Die heutige Kurapotheke
war eine Warmbadeanstalt. Der dänische König spendete 1000
Ulmen, die aber zwischen 1980 und 1990 fast alle der
Ulmenkrankheit zum Opfer fielen. Heute bevorzugt man eine
Mischpflanzung. Es wurde auch ein Gesellschaftshaus an der
Stelle des heutigen Freiluftschachs errichtet, in dem die
Kurmusik spielte.

Das Gebäude, in dem heute der Kurgartensaal und das
Umweltzentrum untergebracht sind, war früher das renommierte
Hotel Schulz.
Hier komponierte Johann Strauß (Sohn) 1879 den Walzer
"Nordseebilder" während eines Urlaubaufenthalts mit seiner
Frau Angelika.

In diesem Haus, früher Haus "Lolly", verbrachte Theodor
Fontane einen Sommerurlaub, weil sein Haus in Berlin
umgebaut wurde und er dies lieber seiner Frau überlassen
wollte. Er hatte zwar schlechtes Wetter, schrieb aber
dennoch am 25. August 1981 an seine Tochter Mete:
"Alles in allem habe ich mich übrigens, trotz andauernder
Wetterunbill, meines hiesigen Aufenthalts zu freuen gehabt
und selbst der kolossale Bellhusten, an dem ich seit 4 Tagen
laborire, hat mich nicht andren Sinnes gemacht. Der Anblick
des Meereserfreut immer wieder, die Luft ist schön, die
Verpflegung vortrefflich..."

Die "Schifferbank" durfte früher nur von alten Schiffern
benutzt werden. Keine Frau, kein Kind, ja nicht einmal den
Steuerleuten war es gestattet, dort zu sitzen.
Im den Jahre 1865 verbrachte Kronprinz Friedrich mit Familie
seinen Sommerurlaub in Wyk. Sein Sohn, der spätere Kaiser
Wilhelm II rannte einmal so lange um die Bank, auf denen die
Schiffer in Ruhe ihren Klönsnak halten wollten, bis einem
von ihnen der Kragen platzte und Prinz Wilhelm eine Ohrfeige
gab. Der herbei geeilte Erzieher des Prinzen vertraute dem
Schiffer an: "Er hat es verdient, aber ich darf das ja
nicht." |
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Wer auf dem Weg zur Fähre ist, dem wir hier klar und
deutlich auf die letzte Möglichkeit des Einkaufs
hingewiesen.
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